Fremdsprachen lehren und lernen in der Montessori Pädagogik – oder wie ich an meine Montessori-Schule kam.

In letzter Zeit kam bei mir immer mehr das Bedürfnis auf, unser Fremdsprachenkonzept in einem Blogpost festzuhalten. Ich versuche das Thema jetzt regelmäßig fortzusetzen. Den Anfang macht meine Zulassungsarbeit, getriggert durch einen Tweet von Patrick Brauweiler, der Austausch zum Thema „Lernbüro und Speaking“ gesucht hat.

Eines meiner Prüfungsthemen im erziehungswissenschaftlichen Staatsexamen war die Montessori-Pädagogik. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich für das Thema entschieden, da in meiner Umgebung gerade eine Montessori-Schule eröffnet wurde, die bis zum Abitur führen sollte. Da ich bis zu dem Zeitpunkt nur Montessori-Grundschulen kannte und nicht mehr als „Hilf‘ mir, es selbst zu tun“ in meinem Wissen dazu vorhanden war, wollte ich mich in der Prüfung näher damit beschäftigen. Da mein Erfahrungsschatz rein vom bayerischen Gymnasium geprägt war, konnte ich mir zu dem damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen, wie denn ohne Druck die Schülerinnen und Schüler an einer solchen Schule lernen, um das Abitur erfolgreich abzulegen.
Die Examensprüfung lief super, und das Thema verschwand erstmal wieder von der Bildfläche.
Nach meinem Auslandssemester stand die Zulassungsarbeit an und ich musste mich auf Themenfindung begeben. Irgendwann hatte ich mich für Englischdidaktik entschieden und da mein Betreuer im Bereich des Ausspracheerwerbs forscht, sollte es auch darum in meiner Arbeit gehen. Das Thema Montessori kam irgendwie dazu und so wollte ich untersuchen, wie in einem nicht lehrerzentrierten Setting die Aussprache der Schülerinnen und Schüler geschult wird, und wie ihre Fähigkeiten in diesem Bereich sind.


Woher ich mein Durchhaltevermögen habe…
„Wie, sie wollen an unseren Schülerinnen und Schülern forschen? Im Unterricht hospitieren und darüber eine Arbeit verfassen?“ – es war nicht einfach eine Schule zu finden, die mich bei meinem Vorhaben unterstützen wollte. Ich war schon kurz davor, mein Thema an den Nagel zu hängen, als über mehrere Ecken der Kontakt zu meiner jetzigen Schule hergestellt wurde. Manchmal braucht man eben Glück, so durfte ich dort meine Zulassungsarbeit schreiben, wenn ich in der im Aufbau befindenden Sekundarstufe Englisch unterrichte. So begann ich meine Zeit als Englischlehrerin – und wenn sie nicht gestorben ist, so unterrichtet sie noch heute 😉


Unser Fremdsprachenkonzept
(Vorne weg: Wir arbeiten ohne festes Schulbuch und vergeben keine Noten.)
Im Zuge meiner Untersuchungsergebnisse fing ich an, das Fremdsprachenkonzept der Schule zu entwickeln. Durch meine Zulassungsarbeit hatte ich mich intensiv mit dem Thema Fremdsprachenerwerb in der Montessori-Pädagogik beschäftigt und auch Kontakte zu Dozentinnen hergestellt, die Fortbildungen dazu anbieten und somit Zugriff auf deren Know-how und Erfahrungsschatz bekommen.
Die Themen „Aussprache“ und „Sprechen“ treiben mich immer noch herum, und ich versuche meinen Unterricht und die vorbereitete Umgebung dahingehend stetig weiterzuentwickeln.
Um den Sprachinput bei den Schülerinnen und Schülern zu erhöhen, haben wir das Leseprogramm Kids A-Z angeschafft. Die SuS bekommen einen eigenen Zugang und können auf ihr Sprachniveau angepasst englischsprachige Bücher von Muttersprachlern vorgelesen bekommen und mitlesen. Erweitert mit der Birkenbihl-Methode, können die Schülerinnen und Schüler sehr vielseitig mit dem Material arbeiten und ihre Sprachkenntnisse verbessern. Dadurch, dass das Anhören von muttersprachlichem Input einen festen Stellenwert in der Arbeit bekam, konnte man auch eine kontinuierliche Verbesserung der Aussprache bei den SuS beobachten, die das Angebot regelmäßig nutzten.
Damit die SuS nicht nur Feedback von ihren Kameradinnen und Kameraden bekommen, haben wir immer wieder kurze Phasen – meist zum Stundenbeginn, in der wir gemeinsam in der Fremdsprache sprechen. Dies kann auch in abgewandelter Form während der Freiarbeit stattfinden, neben Partnerarbeiten bekommen z.B. einige SuS eine Einladung, sich mit mir an angegebenem Ort zu einer festgelegten Zeit mit oder ohne Material zu treffen. Diese Gruppen stelle ich nach unterschiedlichen Aspekten und Schwerpunkten zusammen, und so können gewisse Themen intensiv bearbeitet und besprochen werden. Das eignet sich nicht nur für das Sprechen, sondern auch für die Einführung neuer Grammatik etc. Dies ist aber auch nur möglich, wenn die restliche Lerngruppe in dieser Zeit durch eine/n weitere/n Pädagogin/en betreut wird.
Von Anfang an halten SuS an Montessori-Schulen kurze Vorträge über unterschiedliche Themen, so auch in der Fremdsprache. Je nach Schüler/in werden diese Vorträge vor der gesamten Gruppe, oder nur vor einem ausgewählten Publikum gehalten. Es ist immer schön zu beobachten, wie sich die SuS entwickeln und mit dieser Wahlfreiheit an Sicherheit gewinnen und dann trotz Unsicher- und Schüchternheit ihr Thema vor immer größeren Gruppen präsentieren wollen.
Beeindruckt hat mich in diesem Schuljahr die GreenScreen-Nachrichtenshow einer Schülergruppe, die aus einer spannenden Kurzgeschichte eine Reportage inkl. Interview des Protagonisten entwickelt und verfilmt hat. Solche Elemente versuche ich in Zukunft öfter einzubauen, wenn wir bald über eine bessere Ausstattung verfügen und ich nicht immer mein privates iPad in die Hand der SuS geben muss.
Viel Freude hat den SuS auch das Schauspielern bereitet, sei es das Nachspielen von kurzen Dialogen/Szenen oder eines ganzen, adaptierten Stückes, wie beispielsweise „The Tempest“ von Shakespeare in einer modernen Version. Literaturarbeit in 7/8 war noch nie so mitreißend!
Vor allem meine schwächeren SuS arbeiten sehr gerne mit Duolingo und nutzen die App regelmäßig. Damit dies in der Schulzeit möglich ist, suchen sich die SuS eine Ecke im Schulhaus, wo sie ungestört arbeiten können und niemanden beim Nachsprechen stören.
Gerade die digitalen Medien sind für den Erwerb und das Üben dieser Teilkompetenzen ein großer Gewinn, da die SuS selbständig und eigenverantwortlich arbeiten können. Es wird ihnen ermöglicht einen qualitativ hochwertigen sprachlichen Input auf ihr Sprachniveau angepasst zu bekommen und sich vielfältig mit der Sprache auseinanderzusetzen. Ich als Lehrkraft kann z.B. mit Hilfe von Videos, die die SuS ohne mich erstellt haben, das Lernprodukt beurteilen und individuell Feedback geben.

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