Digitalpakt Schule – Aber jetzt wird alles besser!?! (Nov. 2018)

Eigentlich sollte die Nachricht über die nun endlich errungene Einigung zum Digitalpakt Schule für Freude sorgen. Mir stellt sich zu diesem Zeitpunkt die Frage: „Und was dann?“
Sind wir wirklich so illusorisch, dass wir davon ausgehen, dass eine gute Internetverbindung, stabiles W-LAN und eine annehmbare Ausstattung mit digitalen Endgeräten ausreichen, um den Digital Turn in den Schulen einzuleiten? Aus eigener Erfahrung muss ich leider sagen, dass wir die größte Aufgabe noch vor uns haben.


Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter
Zum Thema Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter habe ich in den vergangenen Jahren mehrere Veranstaltungen besucht und es wurde häufig darüber gesprochen, dass sich die Pädagogik ändern müsse. Weg vom preußischen Gleichschritt hin zu mehr reformpädagogischen Ansätzen. Es wird unter anderem über individualisiertes, personalisiertes Arbeiten und neue Formen von Leistungsnachweisen diskutiert.
Dann möchte man doch meinen, dass es an einer reformpädagogischen Schule ein Leichtes wäre, die Einbindung zeitgemäßer, digitaler Arbeitsweisen und -formen umzusetzen.
Gute Ausstattung bedeutet nicht zugleich zeitgemäße Nutzung
Seit 2014 „lebe“ ich in dem folgenden Habitat: Unsere Klassenzimmer und Fachräume in der Sekundarstufe verfügen über interaktive Whiteboards, wir haben flächendeckendes, stabiles W-LAN mit einer Bandbreite von 100 Mbit im gesamten Schulhaus. Neben einigen neuen und gespendeten Computern/Laptops, setzen wir in der Sekundarstufe auf ein freiwilliges BYOD. Alle SuS in der Sekundarstufe dürfen einen eigenen Laptop/Tablet nutzen und ab der 7. Jahrgangsstufe auch ihr Smartphone. So schaffen wir ab der 7. Jahrgangsstufe eine heterogene 1:1 Ausstattung. Doch was passiert im Schulalltag mit den Geräten? Wie werden sie in die tägliche Arbeit eingebunden?
Es wird hauptsächlich nach Informationen recherchiert, Präsentationen erstellt, Dokumente geschrieben und Videos angeschaut. Es ist deprimierend zu sehen, dass sich kaum eine meiner KuK aus der Komfortzone bewegt und sich an andere Themen heranwagt. Ich versuche in meinem Unterricht anders zu agieren und auch meine KuK anzustecken.
Was die letzten Jahre jedoch Kraft gekostet hat und immer noch kostet ist die immerwährende Abwehr, auf die ich mit meinen Ideen und Vorschlägen in der breiten Masse stoße. Es gibt immer Gründe weshalb wir etwas nicht tun könnten, sollten oder dürften.


Der erste Hügel ist überwunden, der Gipfel ist noch weit entfernt
Deshalb sollten wir uns nach dem ersten Teilerfolg nicht entspannt zurücklehnen, denn die anstrengendste Arbeit beginnt erst jetzt. Wir müssen das Mindset unserer KuK ändern, ausreichend Fortbildungsmöglichkeiten anbieten und allgemein die Ausbildung an Uni, Seminarschule und schulischem Arbeitsplatz ändern. Zusätzlich muss mehr Raum für Kooperationen und Fortbildung gewährt werden, denn wenn die alltägliche Arbeit die gesamte Kraft vereinnahmt, bleibt nichts für kreatives Arbeiten und das Angehen von Neuem.

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